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Kriegsenden, Nachkriegsordnungen und Folgekonflikte im 19./20. Jahrhundert im Vergleich

Der Übergang vom Krieg zum „Nachkrieg“ ist ein ebenso vielschichtiger wie problematischer Prozeß. In der Transformationsphase der Nachkriegsgesellschaft werden die Weichen für die militärische, aber auch für die politische, soziale und kulturelle Neuordnung gestellt – selten ohne Konflikte. Das haben die friedenserzwingenden und -stabilisierenden Militärinterventionen der letzten Jahre klar vor Augen geführt; im Weißbuch 2006 wurde denn auch für die deutsche Sicherheitspolitik ein „erweiterter Sicherheitsbegriff“ festgeschrieben.

Der Forschungsbereich I des MGFA (FB I) nimmt diese Problematik zum Ausgangspunkt für ein neues Großprojekt. Es lohnt sich, so lautet die methodische Annahme, diese Transformationsphase als einen eigenständigen Untersuchungsgegenstand der Militärgeschichte zu begreifen und in der longue durée systematisch zu analysieren. In derzeit 13 Einzelprojekten sollen daher ausgewählte Aspekte epochenübergreifend für das »lange 19. Jahrhundert « und das »kurze 20. Jahrhundert« beleuchtet werden. Durch einen problemorientierten Zugriff wird das jeweilige Gewicht des Krieges in der Nachkriegszeit untersucht und nach den militärischen, politischen, sozialen und kulturellen Konfliktpotentialen im Hinblick auf das Militärische selbst gefragt. Welche Bedeutungen hatten Krieg und Militär als Faktoren der Transformation? Um diese Leitfrage zu beantworten und die Projekte in einen methodischen Zusammenhang zu stellen, wurden drei Analyseebenen gewählt, die mit den Stichworten „Reorientierung“, „Reintegration“ und „Reorganisation“ das jeweilige Forschungsinteresse markieren. Es geht um

– die handlungsleitenden „Repräsentationen“ von Krieg und Militär: Wie änderten sich Wahrnehmung, Deutung und Handeln in der Erinnerungskultur nach der Erfahrung von Sieg oder Niederlage? Wie wandelten sich die Formen und Funktionen der Repräsentation von Krieg und Militär (Selbst- und Fremdbilder, soziale Praxis, Medien)?

– die Demobilisierung und Wiedereingliederung der ehemaligen Soldaten: Zu welchen Folgekonflikten führte die Rückkehr der Soldaten in die Gesellschaft? Welche politischen und sozialen Strategien wurden für die Integration entwickelt? Wie nahmen sich die Veteranen selbst wahr, und wie wurden mögliche Reintegrationsprobleme medial verarbeitet und instrumentalisiert?

– die Reaktion des Militärs auf die Erfahrungen von Sieg, Niederlage und Besatzungsherrschaft: Wie wirkten sich die Kriegserfahrungen (Sieg, Niederlage, Besatzung) auf die Gliederung, Rekrutierung und Ausbildung des Militärs aus? Welchen Einfluß hatten das Kriegsende und die Besatzungsmacht auf militärische Strukturplanungen (Personal, Bündnis)? Welche Folgen hatte der Kriegsausgang auf der Mikroebene (Regimenter, Tradition)?

Das Großprojekt des FB I ist einer integralen Militärgeschichte verpflichtet. In einem thematisch wie methodisch multiperspektivischen Ansatz bezieht sie Krieg und Nachkrieg, soziale Praxis und Diskurs, aufeinander. Das Erkenntnisinteresse zielt deshalb auf die Institutionen- und Organisationsgeschichte des Militärs ebenso wie auf die sozial- und kulturgeschichtliche Dimension von Krieg und Militär. Die empirischen Testfälle reichen von den Revolutions- und Freiheitskriegen über den Deutsch-Französischen Krieg und die Weltkriege bis in die frühen 1960er Jahren. Mit den drei Analyseebenen stecken sie die Untersuchungsfelder ab (Projektstrukturplan als PDF-Datei, 65 Kb). Das Forschungsdesign ermöglicht zum einen den diachronen Vergleich mit dem Fokus auf der deutschen Militärgeschichte, zum anderen den synchronen Vergleich mit anderen europäischen Gesellschaften. Über die Themen und Ansätze infomiert im Einzelnen die Übersicht der Projekte.

Das Großprojekt setzt Kooperation voraus. Ein Netzwerk von im In- und Ausland tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verspricht ein hohes Anregungspotential. Der FB I dient als Gravitationszentrum des wissenschaftlichen Austausches durch intensive Forschertätigkeit am Ort wie durch die Möglichkeit, assoziierte Mitarbeiter als Gäste für eine mittelfristige Forschungskooperation zu gewinnen. Dank seiner hinreichend weit gefaßten Thematik ist das Projekt offen für universitäre Kooperationspartnerschaften, die den Austausch intensivieren und projektbezogene Kompetenzen bündeln. Als Kooperationspartner für das 20. bzw. 19. Jahrhundert sind das Großprojekt „Krieg und Medien im 20. Jahrhundert“ (Braunschweig, Münster) und das Internationale Forschungsprojekt „Nations – Borders – Identities“ (NBI, University of York) vorgesehen. Innerhalb des MGFA ermöglicht der epochenübergreifende Zuschnitt das engere Zusammenwirken mit den Forschungsbereichen II bis IV und der Abteilung „Ausbildung, Information, Fachstudien“ (AIF).

Nicht zuletzt soll das Projekt zur Weiterentwicklung der Militärgeschichte als Wissenschaftsdisziplin beitragen. Es erschließt eine neue Perspektive, die auch für andere historische Themenfelder und Wissensgebiete von Nutzen sein könnte. So soll die Konzeption der „Transformationsphase“ im Zuge des Forschungsfortschritts auf ihren heuristischen Wert getestet und schärfer definiert werden.

Mit der Erforschung der historischen Tiefendimension der Transformationsphasen leistet das MGFA nicht nur einen Beitrag zu einer modernen, vergleichenden Militärgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, sondern stellt durch den epochenübergreifenden Zuschnitt des Großprojekts auch ein spezifisch militärhistorisches Orientierungswissen für den Umgang mit einem gegenwärtigen und künftigen sicherheitspolitischen Problem zur Verfügung. Die Ergebnisse werden durch „Forum-Aktivitäten“ und Publikationen (Monographien, Sammelband, Fachaufsätze) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ansprechpartner: Dr. Jörg Echternkamp (Leiter des Projekts, FB I)

Den Projektstrukturplan können Sie per Klick vergrößern (PDF-Datei, 65 Kb).

Alternativ können Sie auch eine hochaufgelöste JPG-Datei einsehen (90 kb)

 

 

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